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Russische Nationalbibliothek, St. Petersburg

Portolan-Atlas des Battista Agnese
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16. Jahrhundert



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[D]er Portolan-Atlas des Battista Agnese ist aufgrund der Sorgfalt und des hohen künstlerischen Wertes seiner Ausführung eine der faszinierendsten Seekarten des 16. Jh.s. Er repräsentiert die damals aktuellsten Kenntnisse der Erdkunde. Zusammengefaßt wird die Darstellung der Welt durch eine Gesamtkarte in ovaler Projektion mit der Route der Weltumsegelung des Magellan, der dadurch die bedeutenden geographischen Entdeckungen des 15. Jh.s glanzvoll bestätigt hat.

Wie alle Arbeiten aus der Werkstatt Agneses ist auch der Atlas von 1546 als prunkvolles Luxuswerk gestaltet worden, das in traditioneller Arbeitsteilung von mehreren Händen hergestellt wurde. Agnese gilt als einer der bedeutendsten und fruchtbarsten Kartenhersteller des 16. Jh.s. Genuese von Geburt, unterhielt er in Venedig ein Zeichenatelier. Unter seiner Feder entstanden etwa 80 bis 100 See-Atlanten (Portolane), von denen der Atlas von 1546 der kunstvollste ist.

Eines der faszinierendsten kartographischen Kunstwerke

Die zahlreichen Illustrationen auf den Karten Agneses, die von einem unbekannten Maler der venezianischen Schule geschaffen wurden, sind meisterhaft gefertigt. Die Leuchtkraft der Farben wird durch die Verwendung von Gold noch zusätzlich erhöht. Das gesamte Werk ist einschließlich der überaus sorgfältig gezeichneten Karten in kunstvoller Handarbeit ausgeführt worden.

Eine Besonderheit stellen die drei für ein solches Werk atypischen mythologischen Gemälde dar, die den Atlas phantasievoll bereichern. Es sind berühmte Szenen aus der griechischen und römischen Mythologie, die mit der Seefahrt und der Kartographie in Zusammenhang stehen: die Abreise des Jason mit den Argonauten, der Seesturm, in welchen die Flotte des Aeneas hineingeraten ist, und Atlas als Träger der Erdkugel sowie als Mathematiker und Astronom.

Ein wertvoller Fundus historischer Geographie

Der Petersburger Portolan-Atlas enthält außer diesen mythologischen Darstellungen eine Tabelle der Sonnendeklinationen, eine Armillarsphäre, eine Darstellung des ptolemäisch-aristotelischen Weltsystems, einen Text mit kosmographischen und astronomischen Angaben sowie 13 Karten, auf denen der letzte Kenntnisstand der Erdkunde dokumentiert wird: die Neue Welt mit dem Pazifik, der Atlantik mit Afrika und Teilen Europas, der Indische Ozean mit den Küsten Afrikas und Südasiens, Europa (ohne Spanien und Süditalien), Spanien und Nordafrika mit den Kanaren, das Mittelmeer, das Schwarze Meer, eine sehr detailreiche Italienkarte, die als die beste ihrer Zeit gelten darf, die Ägäis, das Heilige Land und eine Weltkarte in ovaler Projektion mit der Route der Weltumsegelung des Magellan.

Der luxuriöse Atlas war für die Verwendung als Navigationsgrundlage zur See eher ungeeignet. Er war für einen unbekannten, jedoch zweifelsfrei bedeutenden und sehr vermögenden Auftraggeber hergestellt worden. Durch seine Ausstattung mit kosmographischen und astronomischen Daten, mit der Tabelle der Sonnendeklinationen und der Armillarsphäre sowie mit dem in einer Windrose eingelassenen Kompaß war er für ein Grundstudium in Kosmographie und Geographie geradezu prädestiniert.

Ein venezianisches Gesamtkunstwerk

Der originale Einband – eine venezianische Arbeit – besteht aus Holztafeln, die mit rotbraunem Lackleder überzogen sind und Streicheisenverzierungen sowie Goldprägungen auf dem Vorder- und Rückdeckel aufweisen. Auch der originalgetreuen Faksimile-Ausgabe des Portolan-Atlas dient die Nachbildung dieses Ledereinbandes als Schutz.

Der Kommentarband

Der reich illustrierte wissenschaftliche Kommentar wurde von Tamara P. Woronowa, Konservatorin an der Russischen Nationalbibliothek in St. Petersburg, verfaßt und von Arthur Dürst kartenhistorisch erweitert.

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