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m Jahre 1992 rief
die Unesco das Programm »Memory of the World« ins Leben. Ziel ist es,
weltweit bedeutsame kulturelle Dokumente zu erfassen und damit zum Erhalt
des dokumentarischen Erbes der Menschheit beizutragen. Die Aufnahme von
zehn Bilderhandschriften der Reichenau in das Weltregister, darunter
sowohl der Egbert-Codex als auch die Bamberger Apokalypse, unterstreicht
die hohe kulturelle Bedeutung der Reichenauer Buchkunst.
Ältester Bilderzyklus zum Leben Jesu
er Egbert-Codex ragt unter den reich illuminierten
Handschriften der künstlerisch so produktiven Zeit der Ottonen heraus.
Schon die ersten Blätter des kostbaren Codex zeugen von der Bücherliebe
des Auftraggebers, Erzbischof Egberts von Trier: Eine Doppelseite in Gold
und Purpur mit einer Widmung und dem Porträt des Bischofs eröffnen das
Werk. Zwei Mönche zu
Füßen Egberts, Kerald und Heribert von der Reichenau,
überbringen ihm das Werk. Vier eindringliche ganzseitige Darstellungen der
Evangelisten schließen sich an. Weitere 51 erzählende Bilder zum Leben
Jesu bestechen im Anschluß daran durch einen zart schimmernden Grund und
sorgfältig komponierte Figurengruppen in jeder Miniatur. Dieser
Bilderzyklus zum Leben Jesu ist der älteste in der Geschichte der
Buchmalerei.
Der Glanz von Silber und Gold: 60 Schmuckseiten
und über 240 Initialen
Der Egbert-Codex stellt als Perikopenbuch bzw. Evangelistar
auf 165 Blättern die Lesungen aus den vier Evangelien im Ablauf des
Kirchenjahrs dar. Jede Perikope beginnt mit einer großen I-Initiale, die
mit einem Flechtband aus Gold und Silber gefüllt ist. Kostbares Gold
verwendeten die Künstler auch für feine Details in den zahlreichen
Miniaturen wie zur Verstärkung der plastischen Wirkung im Faltenwurf.
Der Egbert-Codex – Synthese unterschiedlicher
Kunstformen
Bischof Egbert wirkte in der zweiten Hälfte des zehnten
Jahrhunderts – einer Zeit, die als eine der fruchtbarsten in der
Geschichte der Kunst gilt. Herausragende Zentren künstlerischer
Kreativität entstanden damals in den Skriptorien der Klöster. Das
berühmteste unter ihnen war die Benediktinerabtei auf der
Reichenau. Die Künstlermönche vom Bodensee entwickelten einen Stil, der
die ottonische Buchmalerei prägte. Den Mönchen gelang eine atemberaubende
Synthese zwischen nördlichen und südlichen Kunstformen. Das kostbare Erbe
karolingischer Traditionen gehörte ebenso zu ihrem Bilderschatz wie Spuren
insularer Malerei oder byzantinische Einflüsse. Früher Höhepunkt dieser
neuen Form ist der Egbert-Codex, in dem in besonderer Weise der Geist der
Antike dem Neuen begegnet.
Bilder von großer erzählerischer Kraft
Der reiche Bilderzyklus mit Miniaturen zum Leben und
wundersamen Wirken Jesu sowie die Porträts der Evangelisten und Bischof
Egberts ziehen den Betrachter noch heute durch ihre Ruhe und Erhabenheit
in den Bann. Jede Miniatur, von der Geburt Jesu bis zur Himmelfahrt und
zum Pfingstfest, ist von großer spiritueller Kraft erfüllt. Ungewöhnlich
ist die Auswahl der Bilder: Der Egbert-Codex präsentiert einige Wunder
Jesu, die sonst in Handschriften nur selten gezeigt werden. Die
Geschlossenheit der Bilderreihe belegt eindeutig, daß es einen Meister
gegeben hat, der für die künstlerische Konzeption des Buches
verantwortlich war. Die Kunstgeschichte hat ihn als den Gregor-Meister
identifiziert, einen Mönch, der für Egbert auch eine Briefsammlung Papst
Gregors des Großen ausgemalt hat.
Der Gregor-Meister: prägend für die ottonische
Buchkunst
Auffälliges Kennzeichen für die Malkunst des
Gregor-Meisters, dessen Hand sicher sieben Miniaturen schuf, ist die
Anlehnung an spätantike, byzantinisch beeinflußte Vorbilder. Die
Bibliotheken in Trier und auf der Reichenau verwahrten alte Codices, die
der Gregor-Meister als Quelle seiner Arbeit verwenden konnte. Seinen
künstlerischen Ausdruck schulte der Meister sicherlich an den
spätrömischen Mosaiken in Trier oder vielleicht auch auf einer Reise nach
Italien. So empfänglich der Gregor-Meister für die Werte des Alten war,
zeugt manche Miniatur von seiner Suche nach neuen ikonographischen Ideen.
Seine Kunst lebt gleichermaßen von der Wertschätzung des Alten wie von der
Offenheit für die Kraft des Neuen. Das antike Maß diente ihm als Gerüst
einer Malerei, die gleichzeitig auch gänzlich neue Lösungen für Probleme
des Raumes und der Plastizität bereit hielt. Die
geheimnisvolle Wirkung funkelnden Goldes
Die eigentümliche Wirkung, die von den geheimnisvoll
changierenden Hintergründen im Egbert-Codex ausgeht, liegt nicht nur an
den meisterhaften Farbzusammenstellungen. In jeder Miniatur sorgt
zusätzlich der Gebrauch fein aufgetragenen Goldes für reizvolle Akzente
auf dem in zarten Pastellfarben schimmernden Hintergrund. Eine ganz eigene
Anziehungskraft besitzen auch die zahlreichen I-Initialen durch die
Kombination von Gold, Silber und Mennige. Nach mehr als 1000 Jahren
ist das aufgetragene Gold und zumeist auch das Silber in hervorragendem
Zustand und verbreitet noch heute dieselbe Pracht wie zu Zeiten Bischof
Egberts von Trier. Die Faksimile-Edition
Der Egbert-Codex erscheint in einer weltweit limitierten
Auflage von nur 980 handnumerierten Exemplaren als originalgetreue
Faksimile-Edition. Alle 330 Seiten werden getreu dem Original
randbeschnitten und im Format von 270 x 210 mm wiedergegeben. Das von den
Künstlermönchen angewandte glänzende Gold und das Silber auf den 60
illuminierten Seiten und in den über 240 Initialen wird in allen
Feinheiten im Faksimileband differenziert wiedergegeben. Der Einband
aus grüner Seide ist einem typischen Bucheinband aus ottonischer Zeit
nachempfunden. Den Vorderdeckel ziert eine fein gearbeitete, versilberte
und patinierte Metallplatte, dessen Vorbild eine Darstellung Egberts auf
dem Mettlacher Kreuzreliquiar liefert, sein einzig erhaltenes Porträt auf
einer Metallplatte. Der wissenschaftliche
Kommentarband
Der Kommentar präsentiert die neuesten Ergebnisse der
Forschung zur ottonischen Kunstepoche und zum Egbert-Codex. Mit Gunther
Franz, Trier, Franz J. Ronig, Trier, Robert Fuchs, Köln, Doris Oltrogge,
Köln, und Sif Dagmar Dornheim, Freiburg i. Br., wurde ein Autorenkollektiv
gewonnen, das gleichermaßen fundiert wie anschaulich in die Geheimnisse
dieses Meisterwerks der Buchmalerei einführt. Die Faksimile-Edition
wird zum Schutz in einem Schuber aus Acrylglas geliefert.geliefert. Die Dokumentationsmappe enthält zwei
faksimilierte Blätter im Originalformat und eine
12-seitige, illustrierte Informationsbroschüre.
Diese Mappe wird auf Wunsch zur Ansicht geliefert - $US80.
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