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Die kroatisch-glagolitischen handschriftlichen Breviere waren in ihren Einzelabschnitten manche Texte der ursprünglichen Bibelübersetzung von Kyrill und Method, die in ostslawischen Texten ("Parimejnik") nicht vorhanden sind. Das Brevier ist neben dem glagolitischen Missale das wichtigste liturgische Buch, demnach ist die Geschichte der kroatisch-glagolitischen Breviere ein Teil der Geschichte des slawischen Gottesdienstes, insbesondere bei den Kroaten. Die kroatisch-glagolitischen vollständigen Breviere sind, im Grunde genommen, ganz eigenartige Chrestomatien des mittelalterlichen Lesestoffes, denn sie enthalten auch Heiligenlegenden und Apokryphen (Brevierlegendarium). Besonders weitläufig wird die Passion frühchristlicher Heiliger erzählt. Darunter befinden sich auch Abschnitte aus der Lebensbeschreibung Konstantin-Kyrills. Es gibt auch solche Legenden, für die man bei anderen slawischen Völkern selten schriftliche Belege findet. Von den ungefähr 30 handgeschriebenen glagolitischen Brevieren aus dem 14. und 15. Jh. bestehen nur elf vollständige, bei denen alle Teile in einem oder zwei Bänden vereint sind. Der Vollständigkeit des Inhalts und der guten Sprachtradition wegen wird gerade das Breviarium Novi II herausgegeben. Von diesem Brevier weiß man, wo, von wem und für wen es geschrieben wurde, während bei anderen vergleichbaren Brevieren viele dieser Angaben fehlen. Die vorliegende Studienausgabe des II. Breviers aus Novi erscheint als Schwarz-Weiß-Ausgabe mit 8 Farbseiten in verkleinertem Format. Damit sich der Leser im glagolitischen Text leichter zurechtfinden kann, ist das glagolitische Alphabet (Azbuka) mit lateinischer Transliteration und dem Zahlenwert der glagolitischen Buchstaben sowie mit den häufigsten Kürzungen und Ligaturen beigegeben. FachgutachtenDie Sprachtradition des Breviarum Novi II ist interessanterweise nicht die der Vulgata, der einige sogar ältere kroatische Brevierhandschriften folgen, sondern reflektiert eine Sprachtradition, die zum Teil bis in die Zeit der Bibelübersetzung der beiden Slawenlehrer Kyrill und Method, also in das 9. Jh., zurückgeht. An drei Stellen dieser Handschrift finden sich Kolophone, die uns u. a. über die Entstehungszeit (1493-1495) und den Hauptschreiber (der Pope Martinac aus Lapac) detailliert Auskunft geben. Inhaltlich ist das Zweite Novianer Brevier ein liturgisches Buch, das die offiziellen Stundengebete nach dem Usus der römischen Kurie in der Redaktion der Franziskaner enthält, dabei jedoch eine ältere, kyrillo-methodianische Texttradition bewahrt. Inhalt
Der KommentarDem Faksimile geht eine umfangreiche wissenschaftliche Einleitung in deutscher Sprache voraus, in der die beiden Herausgeberinnen die Ergebnisse ihrer Forschungen an dieser Handschrift zusammenfassen, so eine Darstellung der Entwicklung und des heutigen Bestands an kroatisch-glagolitischen Brevierhandschriften, der Schrift, Sprache und des Inhalts dieser Handschrift (dieses auch auf Englisch), dann ein sehr detailliertes und die betreffenden Bibelstellen angebendes Inhaltsverzeichnis ("Bibliographie"), dazu ein systematisches Verzeichnis der Bibel-Lesungen, die Homilien und Sermone, und eine kurze Zusammenstellung der wichtigsten Sekundärliteratur. Peter Rehder, in: Südosteuropa Mitteilungen 20, 1980, 1, S. 81 |
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