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Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München
Kaiserselekt 859

Ostarrichi-Urkunde

10. Jahrhundert



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[D]ie Ostarrichi-Urkunde ist jenes Dokument, in dem in einer Schenkungsurkunde Kaiser Ottos III. vom 1. November 996 zum ersten Mal der Name „Ostarrichi“ (Österreich) als geopolitischer Begriff auftaucht. Mit der Dokumentation einer derartigen Urkunde wird erstmals auch der Beleg erbracht, daß die Kunst des Faksimilierens nicht nur im Dienste des alten Buches, sondern wohl auch im Dienste der Diplomatik stehen kann. Diese kommentierte Faksimile-Ausgabe einer Urkunde ist gleichzeitig ein einmaliges Lehrmittel für den Geschichtsunterricht.

Fachgutachten

Vor 1000 Jahren wurde der „Taufschein Österreichs“, die sogenannte Ostarrichi-Urkunde ausgestellt. Am 1. November 996 brachte ein unbekannter Schreiber in Bruchsal zum ersten Mal den Namen Ostarrichi zu Pergament: Kaiser Otto III. schenkt dem Bistum Freising unter Bischof Gottschalk († 1006) quasdam nostri iuris res in regione vulgari vocabulo Ostarrichi in marcha et in comitatu Heinrici comitis, filii Liutpaldi marchionis, in loco Niuvanhova dicto ... („gewisse Besitzungen unseres Rechts in der Gegend, die in der Volkssprache Ostarrichi heißt, in der Mark und Grafschaft des Grafen Heinrich, des Sohnes des Grafen Liutpald, in dem Ort, der Niuvanhova genannt wird ...“).

Es ist keine frühere Urkunde bekannt, in der das Wort Ostarrichi als Bezeichnung für die Ostmark gebraucht wird. Weit früher jedoch benutzte Isidor von Sevilla († 636) in seinem „Tractatus de nativitate Domini“ diese Bezeichnung, allerdings nach seiner etymologischen Bedeutung als „ein gegen Osten gelegenes Reich“. Das österreichische Stammland hingegen, das vor dem 1. November 996 urkundlich als orientalis plaga bzw. orientalis regio genannt wurde, erfährt nach diesem Datum neben Ostarrichi noch die Bezeichnung Ostarrichi pagus/regio, Ostarrich comitatus/marchia, aber auch weiterhin noch orientalis provincia/pagus/plaga.

Dem Freisinger Schreiber, der die Schenkung von 30 Königshufen nebst Zubehör zu Neuhofen an der Ybbs im Gebiet der Mark Österreich im Auftrag Kaiser Ottos III. am 1. November 996 beurkundete diente als Vorlage ein Diplom Kaiser Ottos II. vom 23. November 973, in dem dieser Bischof Abraham von Freising Besitzungen in Krain übergab. Um dem dortigen Formular gerecht zu werden, war er gezwungen, auch in der vorliegenden Ausfertigung deutsche Bezeichnungen für die Ostmark und das Gebiet von Neuhofen an der Ybbs zu finden. So entstand das österreichische Stammland Ostarrichi und der „Geburtsort Österreich“ Niuvanhova. Mit der Schenkung von Neuhofen an der Ybbs an das Hochstift Freising begann die intensive Rodungs-, Kolonisations- und Missionstätigkeit dieses bayerischen Bistums in Österreich. Das Ybbsfeld selbst war schon in der karolingischen Zeit besiedelt, und Neuhofen bildete den Kern der späteren geschlossenen bischöflichen Herrschaft Ulmerfeld.

Der Kommentar

Die ansprechende Faksimile-Ausgabe des für Österreich bedeutendsten Diploms im Originalformat wird von einem Kommentar Adam Wandruskas begleitet, der das historische Umfeld der Ostarrichi-Urkunde und ihr weiteres Wirken auf Niederösterreich, das „erste Stück Österreich“, wie es in einem Werbeslogan hieß, beleuchtet. Daran schließt sich eine Transkription mit paralleler (ziemlich wörtlich gehaltener) deutscher Übersetzung an.

Rita Haub, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, Band 59, Heft 3 (1996)

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