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Während des Pessach-Festes wurden die aufgeschriebenen Texte im familiären Kreis gelesen, und später hat man sie für die private Andacht in ein handliches Format gebracht. Das katholische Gegenstück dazu finden wir in den Stundenbüchern. Während des 13. und 14. Jahrhunderts gaben einige prominente Juden europäischer Fürstenhöfe die Illuminierung der Haggadah in Auftrag. Anfangs war sie ornamentaler Art, dann kamen figurative Darstellungen von höchstem künstlerischem Niveau hinzu. Im 13. Jahrhundert tauchen die ältesten illustrierten Pessach-Haggadahs (Ostererzählung) in Westeuropa auf. Die Prato Haggadah wurde um das Jahr 1300 in Spanien geschaffen. Dieses wundervoll geschmückte Manuskript ist auch deshalb so faszinierend, weil es den Entstehungsprozess der Illuminierung mittelalterlicher Kodizes zeigt, da einige seiner Blätter unvollendet geblieben sind. Somit ist es möglich, die verschiedenen Schritte und Vorgehensweisen der Illuminierung der Handschrift nachzuvollziehen: Die Vorbereitung der Farben, das Auftragen des "Gesso" zur Fixierung von Gold- und Silberblättchen und schliesslich das Auftragen der Pigmente. Die Seiten der Handschrift sind mit grossem Aufwand aufs prächtigste geschmückt: An Gold und Silber wurde nicht gespart, leuchtendes Blau kommt ebenso vor wie beide Arten von Rot und Deckweiss. Benutzt wurden ferner sowohl das Grün als auch das Gelb, zusammen mit dem Pastellblau, dem Rosa und den Purpurfarben. Einmalige, limitierte Auflage von 100 numerierten Exemplaren mit notariellem Zertifikat.
GeschichteWeitgehend im Dunkeln liegt die Geschichte der Handschrift, bevor sie 1964 als Ms 9478 in den Besitz der Bibliothek JTS gelangte. Bekannt ist, dass die Prata Haggadah zu Beginn des 14. Jahrhunderts in Spanien entstand. Um das Jahr 1617 taucht sie in Italien auf, und zwar als Eigentum des italienischen Zensors Giovanni Domenico Caretto. Man weiss nichts über den Verbleib des Kodex bis zum Jahr 1928, als er von Dr. Ludwig Pollak erworben wurde, der aus Prag stammte, aber in Rom lebte. Dieser angesehene Humanist sammelte antike Kunst, Handschriften und jüdische Bücher. Dr. Pollak versprach, die Handschrift seinem Freund David Prato, dem Oberrabiner Roms, auszuhändigen. Dieser ging bei Ausbruch des 2. Weltkriegs und angesichts der Probleme mit der faschistischen Regierung nach Palästina. Mit Dr. Pollak, seiner Frau und seinem Sohn meinte es das Schicksal nicht so gut. Zusammen mit den übrigen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Roms wurden sie nach Auschwitz deportiert, wo sie umkamen. Nach dem Krieg kehrte Rabiner Prato nach Rom zurück, wo er sein altes Amt bis zu seinem Tod 1951 ausübte. Mehrere Monate nach seinem Tod kam sein Sohn Johnathan nach Rom. Er war israelischer Diplomat und auf dem Weg nach Buenos Aires zu seinem Amtsantritt. In Rom traf er sich mit Dr. Pollaks Schwägerin, der dessen Absicht bekannt war, das Manuskript Rabiner Prato auszuhändigen. Sie löste dieses Versprechen ein und übergab die Handschrift der Familie Prato, wo sie bis 1964 verblieb, bis sie von der Bibliothek JTS gekauft wurde. | # |
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