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Die Möglichkeit zur erstmaligen Vorlage des Codex in Form einer originalgetreuen Farbwiedergabe auf photomechanischer Grundlage stellt einen Meilenstein in der Verfolgung des 1960 erstellten Projektes dar, den Zugang zu den Quellen zu Geschichte, Kunst und Religion der Kulturwelt Altamerikas auf möglichst umfassender Weise zu erleichtern. Neben einer Gruppe von religiösen priesterlichen Nachschlagebüchern vorwiegend mit mantisch-kalendarischem Inhalt begegnet uns in einer zweiten, umfangreichen Quellengruppe dynastische Geschichtsschreibung in mythologischer Verbrämung. Zu ihr gehört auch der Codex Zouche-Nuttall. Die Daten bei den dargestellten Personen bedeuten also keine Distanzzahlen astronomischer Angaben und geben kein kodiertes astronomisches Geheimwissen wieder, ebenso zeigen mit göttlichen Attributen auftretende Gestalten Menschen und keine Götter. Es treten uns klar historische Berichte entgegen, und alle Versuche zu astral-mythologischen Deutungen haben sich demnach überholt. Die wenigen erhalten gebliebenen Handschriften gewähren uns nur einen durch Zufall zustandegekommenen kleinen Ausschnitt aus dem einst vorhanden gewesenen umfangreichen Schrifttum. Da sich Textpassagen überschneiden, ergänzen sie einander und helfen bei der Rekonstruktion fehlender oder unklarer Berichte. Häufungen von Angaben wie das Fehlen von an sich wichtig erscheinenden Passagen erlaubt demnach keine weitgehenden Folgerungen. Sie geben somit nur einen Ausschnitt aus dem Leben in präkolumbischen Zeiten wieder. Geburt, Heirat und Tod von Herren und Herrschern, Kriege wie Zeremonien und Feste sind die wichtigsten Inhalte, von denen die alten Schreibkundigen berichten. Keine Alltagsszenen werden geschildert, mehr das Leben der oberen Schichten. Ihr unschätzbarer Wert liegt darin, daß sie uns Verhältnisse und Zusammenhänge zeigen, wie sie allein aus archäologischen Fundumständen niemals erschließbar wären. Vergleichbar mit den Stoffen aus den griechischen Tragödien oder den Schilderungen von Machtkämpfen unter Familien und Geschlechtern der Renaissancezeit Italiens tritt uns dynastische Geschichtsschreibung aus Altamerika entgegen. Wir können Herrscherreihen durch Jahrhunderte verfolgen. In einigen ausführlich behandelten Kapiteln erleben wir den Weg von Einzelpersönlichkeiten zur Macht, etwa in der breit angelegten Darstellung der Unternehmungen und Kämpfe des großen Kriegshäuptlings 8 Hirsch- "Tigerklaue", der nach der jetzt zumeist angenommenen Chronologie von 1063 bis 1115 lebte. Die Autorin des einleitenden Kommentars, N. Troike, ist seit vielen Jahren federführend in der Forschungsarbeit an den mixtekischen Quellen tätig. Deshalb lag es nahe, sie für die Darlegung ihrer technisch-kodikologischen Beobachtungen und eine Bericht über die Geschichte des Dokuments in Verbindung mit der Forschungsgeschichte zu gewinnen. Gleichzeitig sollen in Form eines Abrisses frühere Publikationsversuche besprochen werden. Auf den Inhalt der Handschrift wird wie bei den bisherigen meso-amerikanischen Handschriften allgemein eingegangen. |
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